Stress und die eigenen Grenzen....

Innerlich, irgendwo weit versteckt, merke ich, dass ich psychisch an meine Grenzen komme. Der Stress ist zu groß, zu viele weitere Belastungen und keine Zeit sich auszuruhen, nichts zu tun und sich einfach zu verlieren. Stattdessen verliere ich mich zwischen Treffen, Telefonaten, S-Bahn-Fahrten, Erinnerungen, Heulkrämpfen, Buchseiten und geschriebenen Wörtern. Wo ist die Ordnung, die gute Laune, die Freunde, das Glücklichsein geblieben, was noch vor kurzem existierte? Doch so schnell wie die Wärme der Sonnenstrahlen von meiner Haut verschwunden ist, scheint sich auch meine positive Seite verflüchtigt haben. Ich liege nachts wach und schlafe morgens lang und bin trotzdem immer nur müde. Ich habe oft starke Rückenschmerzen und kann weder stehen noch sitzen und selbst liegen wird manchmal unbequem. Mir ist dauernd kalt, auch wenn ich vor unserem Ofen kauere und den Flammen zuschaue, wie sie zwischen den Holzscheiten züngeln. Zu oft esse ich abends nichts mehr, wenn ich auswärts länger unterwegs war, sage ich, ich hätte schon gegessen. Das nagende Hungergefühl merke ich schon gar nicht mehr. WhatsApp-Nachrichten vegetieren vor sich hin, Mails bleiben unbeantwortet, der Wunsch das Handy auszuschalten und nicht mehr erreichbar zu sein ist übermächtigt. Und doch kreisen meine Gedanken um zu viele Ungereimtheiten meines Lebens, Störfaktoren meiner einstigen freudigen Welt der letzten Monate...

Uni - sie raubt mir seit dem Ende des Sommersemesters den letzten Nerv. Von den fünf Arbeiten bin ich mittlerweile bei der letzten angelangt. Zwei Noten sind rein gar nicht zu meiner Zufriedenheit, obwohl ich mir wirklich Mühe gegeben habe. Hätte ich mich noch mehr hineinhängen sollen oder gefällt den Profs plötzlich mein Schreibstil nicht mehr?! Ich hangele mich von Hausarbeit zu Hausarbeit während ich in anderen Worten die geistlichen Ergüsse anderer Autoren wiedergebe und neu durchkaue. Jede gesetzte Fußnote und jede Quellenangabe lassen mich daran zweifeln welchen Sinn es wirklich hat dauernd irgendwelche bereits erlangten wissenschaftlichen Erkenntnisse neu zu Papier zu bringen. Sehr toll, besonders jetzt, wo meine Bachelorarbeit ansteht. Mir da mal ein wenig Gedanken zu einem Thema zu machen - vergiss es bei den ganzen Hausarbeiten. Und die Frage danach, was will ich danach macht mich ebenso fertig. Mit meinem tollen Studiengang fehlen mir für viele Masters ETCS-Punkte, die ich in zusätzlichen Kursen nun im 7. Semester machen könnte, um dann möglicherweise dort reinzukommen. Doch was, wenn ich das vielleicht in einem Jahr nicht mehr will und unnütz acht Semester zu studieren. Mal ganz davon abgesehen, dass es unmöglich ist, sechs Wirtschaftskurse in einem Semester zu machen und dann evtl. noch Politikkurse, um nur ja auf der sicheren Seite zu sein^^ Mittlerweile habe ich mich dazu entschlossen, dass das egal ist und ich meine sieben mache und dann tja, mal sehn. Diese Entscheidungsfindung hat mich viele Nerven gekostet, die ich gut für andere Dinge hätte brauchen können. 

Praktikum - mein Praktikum, was ich derzeit auf Vollzeit mache, macht mir wirklich viel Spaß und ist mega interessant. Aber auch dabei wurden mir mal wieder Steine in den Weg gelegt - nur weil es kein Pflichtpraktikum ist, habe ich keinen Anspruch auf länger als drei Monate und ebensowenig auf eine ermäßigte Fahrkarte nach dem Ausbildungstarif für die Öffentlichen. Eine Unverschämtheit, wenn die Fahrkarte für meine Anzahl an Ringen über 100€ kostet und ich jetzt auch nicht wirklich Einkommen habe. Abgesehen davon, dass es viel Spaß macht ist es auch mega anstrengend und abends heimzukommen, um dann noch Hausarbeit zu schreiben fast unmöglich.

Familie - meine Familie zerbricht und ich kann nichts dagegen tun. Mein Onkel veranstaltet einen riesen Kindergarten und versucht meine Tante fertig zu machen und sie mittlerweile sogar aus der gemeinsamen Wohnung zu schmeißen, während er angeblich schon die Scheidung eingereicht hat. Er lügt er wäre wieder in Spanien, dabei hängt er in Deutschland rum und ist mal wieder beim Anwalt gewesen, um meine Tante wieder mit einem Schreiben zeitliche unter Druck zu setzen, Meine Cousine hängt genau dazwischen und kann nicht glauben und will es wahrscheinlich auch nicht, was da abgeht. Währenddessen häufen sich die Telefonate zwischen meiner Mutter und ihrer Schwester, um Dinge abzuklären und zu unterstützen. Gleichzeitig muss sich meine Tante um meine Oma kümmern und meine Ma fährt immer wieder zu meiner Oma, um zu unterstützen. Wie lange meine 93-jährige Oma noch leben wird, hängt unter anderem von der Batterie ihres Herzschrittmachers und der Frage, ob eine Operation in ihrem Alter noch sinnvoll ist, ab. Muss man sich also bald verabschieden? Nächster Kontrolltermin ist in drei Monaten, man wird sehen wie es weiter geht und was der Arzt über die Särke der Batterie sagt. Klar, ich rechne seit meinem ersten Abflug nach Ecuador und vielleicht auch schon viel länger damit, aber dass es dann auch wirklich eintritt ist was anderes.

Freund - ja ich habe mittlerweile einen Freund. Darüber wollte ich schon immer mal schreiben, aber ich bin irgendwie nie wirklich dazugekommen. Er ist der Halbmexikaner, der irgendwann mal im Mai oder Juni in einem Post vorkam....und er is drei Jahre jünger als ich. Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden. Wir verstehen uns gut, kommen gut klar, aber manchmal ist er auch eine zusätzliche Last. Sich treffen, was unternehmen, auch ihm gerecht werden. Es ist verdammt schwer. Er versteht die meisten meiner Probleme, doch er ist teilweise auch kein unbeschriebenes Blatt und seine früheren Probleme aus Kindertagen steigen langsam an die Oberfläche. Zuhören ist wichtig, doch manchmal zweifle ich, ob ich es schaffen kann, wenn ich keine Zeit für mich alleine habe. Jetzt kommt vielleicht noch seine Sandkastenfreundin zu Besuch und die ist aufgrund von früheren Problemen magersüchtig. Klar, dass er ihr irgendwie helfen möchte, doch wie bringe ich es ihm bei, dass er nicht zu sehr enttäuscht sein wird? Er weiß, dass er nichts verlangen kann, dass er nur unterstützen kann, aber manchmal ist er trotzdem einfach noch zu naiv. 

Person mit den schönsten blauen Augen - ja, er geistert weiterhin in meinem Kopf herum, raubt mir den Schlaf, lässt mich Gedanken verschweden. Dass er mit der Schwester einer guten Freundin von mir zusammen im Referendariat ist, macht es auch nicht einfacher....tja und wie zu erwarten ist er der reinste Schüllerinnenschwarm^^ Zu viele finden die Chilenin, seine Freundin hässlich, und der Mexikaner, der ihn kennt aber nichts über meine Vergangenheit in Bezug auf ihn weiß, meinte die sähre aus wie die Mutter von seinen Freunden in Mexiko. Zu oft wandern meine Gedanken zur Person mit den schönsten blauen Augen und es schmerzt mich dabei zu wissen, dass es fast so wahrscheinlich wie das Amen in der Kirche ist, dass wir nie das werden, was ich mir wahrscheinlich weiterhin noch immer tief in meinem Inneren wünsche. Ich habe versucht mich damit abzufinden, aber das heißt nicht, dass es je vergehen wird. Diese Liebe wird wahrscheinlich nie vergehen und ich werde mich den Rest meines Lebens nach ihm sehnen....so traurig und paradox das auch ist.

Narbe - ihr geht es gut, sie wird besser, aber trotzdem belastet sie mich. Keine Ahnung, ob sie viele überhaupt auffallen würde, aber trotzdem trage ich mehrere Armbänder, um sie zu verdecken. Im Gegensatz zu Beginn diesen Jahres ist sie sehr viel besser geworden....wahrscheinlich mache ich dazu demnächst mal einen Post, was ich so alles gemacht habe, um sie zu pflegen...vielleicht interessiert das ja den einen oder anderen von euch.

Lateinamerika - und ja, sie existiert noch immer....meine Sehnsucht, doch ich weiß, dass ich frühestens nächstes Jahr im Sommer erneut fliegen kann. Davor keine Chance. Ich wünschte es wäre anders....

Zu viele Worte, zu viele Gedanken, wer bis hierer gelesen hat, Respekt. Ich versuch mich in Zukunft regelmäßiger zu melden...schreiben hilft mir ja eigentlich....ich wünsche euch trotz allem ein schönes Wochenende!


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4 Kommentare:

  1. Hey, zunächst mal: Ich hab alles gelesen. Hört sich ziemlich schwierig an, das mit der Fahrkarte ist ja mal echt unfair -.- Aber ich hoffe, mit deinem Freund gibt es auch schöne Momente :)
    Die Elitedonuts sind entstanden, als josi auf ihrem Blog mal gefragt hat, wer Interesse an einem Bloggertreffen hätte. Die whatsapp-Gruppe war (und ist) also dafür gedacht, sich abzusprechen, wann das wo wie möglich wäre. Bisher haben wir noch nix auf die Reihe gekriegt, aber haben es immer noch vor. Ich werd mal fragen, aber ich nehme an, dass Leute die gerne an so einem Bloggertreffen teilnehmen würden, in der Gruppe willkommen sind (ich frag aber mal^^)
    Ganz liebe Grüße,
    Liv

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  2. Ich lasse mal eine ganz dicke Umarmung da. <3
    Es tut mir so leid, dass es dir momentan so schlecht geht :(
    Ich schicke dir ganz viel Kraft und Liebe ♥

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  3. Anonym10/10/16

    danke für deinen lieben aufbauenden kommentar. ich weiß, dass wir es so schaffen könnten, wenn wir uns daran hielten... das problem bin hier nämlich ich, die aufgrund ihrer angststörungen nicht in der lage ist, (über sich selbst) zu reden :D ... das ist eine heftige belastung auf beiden seiten und er sagt, dass er sich nicht sicher ist, ob er das aushalten kann und ich weiß, dass ich es (noch!) nicht ändern kann... es ist kompliziert.

    und über einen post über die narbe, pflege etc. würde ich mich sehr freuen, auch wenn ich glaube, dass du mir das vor circa einem halben jahr schon einmal alles geschrieben hast :))

    <3

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  4. Heyhey, ich schreib ein andermal ausführlich zurück, jetzt nur so viel: Wenn du mir deine Handynummer gibst (z.B. an mymiserableme@googlemail.com dann ist es nicht öffentlich^^) füg ich dich zu den Elitedonuts hinzu :D

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La vida...

«In dieser Nacht erzählte er mir, er glaube, das Leben gestehe jedem von uns wenige Momente reinen Glücks zu. Manchmal sind es nur Tage oder Wochen. Manchmal Jahre. Alles hängt von unserem Schicksal ab. Die Erinnerung an diese Momente begleiten uns für immer und wird zu einem Land des Gedächtnisses, in das wir im ganzen Leben umsonst zurückzukehren versuchen.»
[Marina - Carlos Ruiz Zafón]