Die Mennoniten in Bolivien

Sie leben wie im 17. Jahrhundert, abgeschieden von der Außenwelt und der Modern und ihren Errungenschaften, die als Teufelszeug bezeichnet werden, wissen nichts von Kriegen in der Welt und erst Recht nichts von Facebook und CO. 

Lisa Wiltse/Reportage by Getty Images
Mennoniten finden sich nicht nur in Bolivien, sondern neben anderen Lateinamerikanischen Ländern auch in anderen Teilen der Welt. In Mexiko habe ich beispielsweise auch ein paar gesehen, allerdings nie so viele wie in Bolivien auf einem Haufen. 
Die Mennoniten gehen zurĂźck auf den friesischen Reformator "Menno Simos", dessen Ideen auf die Täuferbewegung des 16. Jahrhunderts zurĂźckgehen, weswegen sie noch heute Altplatthochdeutsch sprechen. Seit etwa 20 Jahren sind die in Bolivien und doch sind ihre Vorfahren seit 500 Jahren auf der Flucht. "Nachdem diese während der der Reformation verfolgt wurden, flohen die Mennoniten von Friesland nach Preußen, später nach Russland und Kanada. Als in Kanada Englischunterricht Pflicht wurde, zogen sie weiter nach Mexiko. Als in Mexiko Traktoren Gummireifen bekamen und somit die nächste Stadt erreichbar wurde, flohen die Traditionalisten weiter nach Paraguay. Und als in Paraguay ihre DĂśrfer an das Strom- und Straßennetz angeschlossen wurden, war das Grund genug fĂźr die nächste Flucht. Sie flohenn schon lange nicht mehr vor UnterdrĂźckung und Verfolgungn. Die flohen vor den Verlockungen der Neuzeit." (Wiechmann: Das fĂźrchterliche Idyll, Leben wie im 17. Jahrhundert - die Mennoniten in Bolivien; Stern 17.12.2014)
Sie glauben, dass jeder Kontakt mit der Moderne von Gott und dem Glauben wegfĂźhrt. So wird alles, was zur Moderne gehĂśrt, ausgeschlossen und ist verboten. Die deutschstaemmigen Mennoniten, die sich in Bolivien angesiedelt haben, sind Bauern, die streng nach den religioesen Regeln ihrer Gemeinschaft leben und eine heile Welt anstreben, in deren Mittelpunkt die patriarchale Familie steht.
"Es gibt an diesem Ort keine Autos und keine Busse und selbst keine Fahrräder. Es gibt weder Zeitungen noch Radios und schon gar keine Fernseher. Ebensowenig wird man hier Handys finden oder Computer [...]. Die Menschen an diesem Ort hĂśren keine Musik und treiben keinen Sport, ja selbst BĂźcher lesen sie nicht. Ihre Kinder haben weder Spielzeug noch Bälle und erst recht keine Ausbildung. DafĂźr gibt es in dieser entlegenen Kolonie im SĂźdosten Boliviens jede Menge KĂźhe und Kutschen und BauernhĂśfe aus rotem Klinker. [...] Nach ein paar Tagen wirkt Durango wie eine große Idylle, ein Sehnsuchtsort fĂźr die so deutsche Suche nach Selbstfindung und Entschleunigung. Die Kinder erwachen mit der Sonne und laufen barfuß, sie machen sich ohne Murren ans Melken der KĂźhe und helfen beim Kalben. Sie zählen keine Friends auf Facebook, sondern die Sterne. Sie twittern keine Tweets, sondern lauschen dem Zwitschern der VĂśgel. Kein Handy klingelt, kein Lastwagen knattert, der Soundtrack ihres Lebens besteht aus dem Krähen der Hähne und den Hufschlägen der Pferde." (Wiechmann: Das fĂźrchterliche Idyll, Leben wie im 17. Jahrhundert - die Mennoniten in Bolivien; Stern 17.12.2014)
Doch so sehr einen diese Idylle, die im Kopf entsteht, auch beeindrucken mag, ganz so schĂśn ist sie dann doch nicht. Die Kinder lernen in der Schule grad so viel Deutsch, dass sie die Bibel lesen kĂśnnen. Gesehen haben wir auch schon recht viele ganz junge Mädchen mit einem Haufen Kindern. Und die Verbote fĂźhren auch zu Problemen. Eine Freundin von mir, hat mir von Erfahrungen einer befreundeten katholischen Schwester erzählt, die dort ab und an Besuche macht. Es gibt viel Alkoholismus, auch Gewalt, und viele Kinder, klar, wenn nichts von VerhĂźtunhgsmitteln bekannt ist. Außerdem kommt es zu Inzucht, weswegen auch alle (in meinen Augen) irgendwie gleich aussehen. 
Wer aussteigt, wird verbannt und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, als AbtrĂźnnige bezeichnet und mit dem Teufel in Relation gesetzt, Vergehen hart bestraft. 
Vor ein paar Jahren gab es einen Skandal, bei dem mehrere Mennoniten einer Kolonie um die 60 Frauen vergewaltigt haben. Schließlich schaltete sich der bolivianische Staat ein und die Täter kamen ins Gefängnis.
In der Schule - stern.de
Wie die Mennoniten damit umgehen, die näher an Santa Cruz leben und Üfter in der Stadt unterwegs sind - keine Ahnung. Unterhalten haben wir uns leider mit keinem. Interessiert hätte es mich schon, aber gewusst wie ich sie hätte ansprechen sollen, wusste ich dann auch nicht. Laut dem Artikel gibt es auch eine Colonie von ehemaligen bzw. Aussteigern, aber ob die da auch noch in der traditionellen Kleidung leben, kann ich auch nicht sagen. Kann euch auf jedenfall den Artikel aus dem Stern empfehlen. Der ist gut geschrieben... Auf zeit.de gibt es noch eine Bilderstrecke.
Hier noch das Video, was auch auf der Seite vom Stern zu finden ist. Kleine Kurzfassung fĂźr die, die nicht so viel lesen wollen...


Ich wĂźrde noch gerne eine Frage in den Raum werfen: was denkt ihr von den Mennoniten? Hattet ihr schonmal von ihnen gehĂśrt?


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5 Kommentare:

  1. Ich schon wieder :'D Habe gerade deinen Post gelesen und fand's echt interessant, denn ich hatte bisher noch nie von den Mennoniten (in Lateinamerika) gehĂśrt, allerdings mal vor Jahren von diesem Menno-Typen.
    Jedenfalls stehe ich dem ganzen größtenteils kritisch gegenüber - ich muss zwar sagen, dass ich es irgendwie schätze, dass es in der heutigen Zeit noch Gruppen gibt, die nichts mit der ganzen Technisierung etc. am Hut haben und so bodenständig (böse Zungen würden es wohl rückständig nennen) leben. Andererseits finde ich es aber nicht gut, dass es den Mitgliedern dieser ,Bewegung' verboten ist, sich auch nur anderweitig umzuschauen. Die Kinder werden ja dort hineingeboren und haben keine Möglichkeit, das Leben außerhalb der Gruppe überhaupt kennenzulernen, auch den Mangel an vermittelter Bildung sehe ich kritisch.
    Und rein rational betrachtet kommt mir als Atheistin das ganze natürlich sowieso spanisch (haha...ähm) vor, weil ich einfach nicht nachvollziehen kann, dass Leute sich für ihren religiösen Glauben dermaßen aufopfern bzw er ihr komplettes Welt- und Selbstbild bestimmt.
    Das sind so meine Gedanken dazu, aber interessant zu lesen finde ich den Bericht Ăźber sie allemal. :>

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  2. Ich bin mal wieder viel zu spät, heh, aber ich bin hier...in der comment section, hurrah! :D

    Ich kenne das wenn man erstmal denkt dass man die richtige Entscheidung getroffen hat, und dann denkt man wieder ne. Ich bin eine Person die immer und immer wieder ihre Gedanken reflektiert. Ich konfrontiere mich mit verschiedenen Aspekten und Perspektiven, und das so lange bis ich selbst nicht mehr weiß was ich eigentlich möchte.

    Ja, zurzeit ist es ein wenig zu riskant darĂźber zu schreiben, aber ich freue mich auf den Tag an dem ich darĂźber reden kann, an dem Tag an jenem die Gerechtigkeit endlich mal siegen wird, nach 25 Jahren... . Da ist eine bestimmte Person, welche ihrer Stimme bestohlen wurde. Und diese Person verdient es, nach 40 Jahren ihres Lebens endlich dass ihr jemand zuhĂśrt. Ich will dass man sie anhĂśrt. Alle sollen es wissen. Ich freue mich auf diesen Tag. :)
    Damit dass ich woanders hin muss, meinte ich dass ich weglaufen muss. Aber sei unbesorgt, ich werde Hilfe von der Polizei bekommen. (bevor das hier jemand liest den ich kenne, wäre es lieb wenn du diesen Kommentar nachdem du ihn beantwortet hast lÜschen wßrdest :S)

    Morgen fängt die Schule an..oder fßr mich erstmal die Arbeit. Die ersten zwei Wochen habe ich durchgehend Praktikum und dann Unterricht und Praktikum im Wechsel. Ich komme in die 12. Klasse :) , was ist mit dir?
    Oh, und wie läuft es mit deinem Freund?


    Ich finde das mit den Mennoniten sehr interessant, habe vorher noch nie davon gehört. Ehrlich gesagt unterstütze ich es, aber nur in gewissen Punkten. Weißt du, ich bin der Meinung dass der einzige Weg diesen Planeten noch zu retten ist jener sich von dieser Industriegesellschaft in der Massenproduktion die obere Hand hat zu entfernen und sich selbstständig zu versorgen, also zurück aufs Land. Allerdings finde ich Bildung sehr, sehr, sehr wichtig, vor allem im Zusammenhang mit Erziehung und der Menschwerdung spielt es eine große Rolle, nur so werden Dinge wie Inzucht nicht mehr vorkommen. Wenn Menschen aufwachsen ohne dass ihnen jemand beibringt dass dies falsch ist, werden sie es weiterhin tun.

    Ich wĂźnsche dir einen schĂśnen Sonntag.
    Ich schreibe Ăźbrigens auch sehr gerne mit dir, du bist mir sehr sympathisch. :)


    Alles Liebe
    Maroua

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  3. ne, hĂśchstens Facebook. Das Handy ist komplett tot. Ich sag bescheid, wenn ich ein neues hab :-)

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  4. Hey Maria, also ich fand das 'Zuckermafia'-Buch besser als die Chemie im Essen', das ließ sich irgendwie nicht so toll lesen. Aber interessant ist es allemal. So, jetzt lese ich mich erstmal eine Runde durch deinen Blog :-)
    Liebe Grüße, Mina

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  5. Das ist ja krass... ich hatte davon noch nie gehört. Wie bist du auf dieses Mennoniten aufmerksam geworden? Ich arbeite als Kinderpflegerin :) es macht echt Spaß hätte nie gedacht das Arbeit Spaß machen kann. Ich war eine Woche in Österreich und hab mit meinen Freund dort entspannt. Ansonsten habe ich viel mit Freunden unternommen.

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La vida...

«In dieser Nacht erzählte er mir, er glaube, das Leben gestehe jedem von uns wenige Momente reinen GlĂźcks zu. Manchmal sind es nur Tage oder Wochen. Manchmal Jahre. Alles hängt von unserem Schicksal ab. Die Erinnerung an diese Momente begleiten uns fĂźr immer und wird zu einem Land des Gedächtnisses, in das wir im ganzen Leben umsonst zurĂźckzukehren versuchen.»
[Marina - Carlos Ruiz ZafĂłn]