#420

Ich kann kaum mein gähnen unterdrücken, doch die Augen wollen mir einfach nicht zufallen. Es ist nach 3 Uhr nachts, in weniger als 3h muss ich aufstehen, um pünktlich um 7 in der Uni zu hocken...dann bis abends um 7 dort und schließlich wollten wir am Abend weggehen. Keine Ahnung wie och das überleben soll mit kaum Schlaf. Mal ganz davon abgesehen, dass ich nie in der Nacht auf Dienstag oder Donnerstag gut schlafen kann. Letzte Woche auf Donnerstag ganze eineinhalb Stunden...morgens um 4 stand ich in der Küche und hab Tacos gegessen....damals hab ichs auf die bevorstehende Reise nach Guadalajara und meine Tage geschoben...aber jetzt?
Gerade habe ich fürchterliche Kopfschmerzen und das einzige was ich mir wünsche ist erlösender Schlaf. Ich kann morgen nicht schon wieder fehlen...auch wenn mir noch zwei Mal bleiben - die letzten 3 Wochen werden auch nicht besser^^
Der pochende und stechende Schmerz lässt mich an nichts anderes denken. Er ist einfach da und geht nicht weg. Mein Magen rumort auch, aber das versuche ich zu ignorieren. So wenig wie ich jetzt schlafe, word das Frühstück auch ausfallen. Statt mir was für morgen fürs Mittagessen vorzukochen, war ich mit dem Spanier Bierchen trinken und geraucht haben wir auch - keine Ahnung, vielleicht ist das ja die Ursache.
Das sind einfach alles viel zu viele vielleichts und keine Ahnungs -.-
Morgens komm ich gar nicht aus dem Bett, peile nicht, dass mein Handywecker diese Musik von sich gibt. Ich schaff es irgendwie bis zur Uni zu laufen ohne vor ein Auto zu rennen. Fühle mich wie ein Zombie... Die Stunden überlebe ich irgendwie, meist gähnend und mit Kopfschmerzen. In der Mittagspause wäre ich fast eingepennt und der Spanier verzählt der Französin Dinge über mich und ich denke - das hättest du jetzt wirklich auch für dich behalten können. Vorletzte Veranstaltung, davor mit dem Spanier noch eine rauchen und als die Französin kommt, abchecken, was wir heute Abend trinken. Ich bin so fertig. Die nächsten 2h penn ich auf dem Tisch liegend durch.
Dann Fotokurs, wird alles für die Ausstellung fertig gemacht. Ich beobachte die anderen wie sie ihre Rahmen säubern und die Nägel davor rausziehen. Ich mustere den Typen neben mir. Jeans, Hemd, Lederschuhe....man sieht, dass das alles teure Klamotten sind....tienen pinta de eso....der Stoff wirkt so fein, weich und edel. Am Arm so eine Smartwatch... irgendwie find ich in anziehend, aber dann auch wieder nicht....vielleicht auch nur deswegen, weil er mich weit entfernt an einen meiner Ex erinnert... Mehr als 5 Wörter haben wir nie gewechselt.....warum auch? Er putzt weiter das Glas seines Rahmens und begutachtet es dann im Licht der Lampe nach Schmierereien. Tiene pinta de hacer todo muy genau. Warum auch immer komme ich mir neben ihm schäbig vor; mit meinen abgetragen Jeans und dem verwaschenen Pulli von H&M. Keine Markenklamotten...die Jeans hat mich ganze 8$ gekostet damals und hält länger als eine von H&M für übee 30€, die schon nach zwei Monaten das erste Loch am Hintern bekommt.
Ende des Kurse...noch schnell ins Cafe am Campus nen doppelten Espresso holen. Sonst penn ich heute Abend nur statt wegzugehen. Die vor mir zahlt nen Latte samt Keks mit Kreditkarte 47 pesos, also um die 3€. Diese Welt ist echt verrückt^^
Zu Hause liege ich auf meinem Bett im dunklen - die Glühbirne ist letzte Nacht durchgebrannt - und kann nichts machen, fühle mich einfach so fertig, auch physisch und psychisch. Stehe unter der heißen Dusche, das kochend heiße Wasser prasselt auf mein Gesicht während die Tränen laufen. Ich breche zusammen und kauere mich auf den Boden unter den heißen Strahl, habe das Gefühl mich übergeben zu müssen. Keine Ahnung wie lang ich da so sitze, muss eigentlich noch was essen...kann mich nicht rühren....ich sollte zu Hause bleiben so fertig wie ich bin, aber täte Ablenkung nicht vielleicht doch gut? Meine Haut ist rot und schmerzt von dem heißen Wasser, das ganze Bad steht unter Dampf, trotzdem kann ich mich nich rühren...


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La vida...

«In dieser Nacht erzählte er mir, er glaube, das Leben gestehe jedem von uns wenige Momente reinen Glücks zu. Manchmal sind es nur Tage oder Wochen. Manchmal Jahre. Alles hängt von unserem Schicksal ab. Die Erinnerung an diese Momente begleiten uns für immer und wird zu einem Land des Gedächtnisses, in das wir im ganzen Leben umsonst zurückzukehren versuchen.»
[Marina - Carlos Ruiz Zafón]